Fahrassistenzsysteme und deren Auswirkung auf die Reparaturabwicklung

Die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen (FAS) stellt für die Automobilindustrie einen enormen technischen Fortschritt dar. Aber diese Systeme sorgen für neue Herausforderungen bei der Abwicklung von Kfz-Schäden.

Fahrzeugmodelle und somit auch die darin eingebauten FAS werden immer weiterentwickelt, die Karosseriewerkstätten müssen sich an diese sich ständig ändernden Gegebenheiten anpassen. Dadurch steigen auch die damit verbundenen Kosten immer weiter, was mehrere Gründe hat:

Anfälligkeit der FAS-Sensoren
FAS-Sensoren sind oftmals an Stellen in der Verkleidung und in Teilen des Fahrzeugs eingebaut, die bei einer Kollision schnell betroffen sind. Dazu gehören Stoßfänger, Windschutzscheiben, Reifen und Seitenspiegel. Bei einem Schaden genügt es deshalb nicht, diese Teile einfach zu reparieren oder sie auszutauschen. Die Sensoren benötigen zusätzlich besondere Aufmerksamkeit, um ihr einwandfreies Funktionieren zu gewährleisten.

Einsatz von Originalteilen des Herstellers
Müssen Teile mit eingebauten FAS ersetzt werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Ersatzteil vom Originalhersteller (OEM) kommen muss. Denn anders als serienmäßig produzierte Aftermarket-Teile werden OEM-Komponenten speziell für ein spezifisches Fahrzeug hergestellt. Aufgrund verschiedener Faktoren (z.B. Weiterentwicklung einzelner Teile durch die Automobilhersteller, FAS als Zusatzoption usw.) ist es für eine Karosseriewerkstatt sehr schwierig, sich auf jedes Automodell und FAS einzustellen. Die beste Option für eine Werkstatt ist deshalb oftmals, sich auf (teurere) OEM zu verlassen, um die perfekte Passform für das Fahrzeug zu gewährleisten. Zudem benötigen einige OEM spezielle Diagnoseinstrumente und Spezialisten, die Erfahrung im Umgang damit haben. Die Kosten für solche Reparaturen sind natürlich höher und nicht jede Werkstatt hat Zugang zu allen notwendigen OEM-Ressourcen.

Die Relevanz der Kalibrierung
Die Kalibrierung der FAS muss professionell durchgeführt werden, damit das System in einer Gefahrensituation rechtzeitig (also frühzeitig) reagiert. Dieser Prozess bringt je nach Art des FAS eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Einige Hersteller haben strenge und komplizierte Auflagen in Bezug auf die Kalibrierung bestimmter FAS. Für Sensorkalibrierungen müssen die Werkstätten deshalb in eine Reihe verschiedener Werkzeuge und Schulungsmaßnahmen investieren. All das führt zu längeren Reparaturzykluszeiten, was sich ebenfalls in höheren Kosten niederschlägt.

Zusätzlicher Platzbedarf
Ein weiterer Grund für zusätzliche Kos ten sind die Ausgaben für die benötigte Arbeitsumgebung, denn für eine korrekte FAS-Kalibrierung gibt es auch hier weitere Regeln und Richtlinien. So darf etwa der Boden keine reflektierende Oberfläche besitzen und Sonnenlicht darf nur begrenzt durch Fenster einfallen, um eine exakte Funktionsprüfung der Sensoren zu gewährleisten.

Richtig für die Zukunft rüsten
Die Fortschritte der FAS-Technologie sind kein vorübergehender Trend. Ganz im Gegenteil: Die Europäische Kommission hat die Verordnung über den erforderlichen FAS-Anteil in allen ab 2022 produzierten Fahrzeugen eingeführt, in der Hoffnung, die Zahl der durch menschliches Versagen verursachten Todesfälle und Verletzungen zu reduzieren. In nur wenigen Jahren wird so die Zahl der mit FAS ausgerüsteten Fuhrparks in Europa drastisch ansteigen, komplexe Reparaturen werden häufiger vorkommen und die dazugehörigen Kosten könnten exponentiell ansteigen. Laut Daten, die von Fixico zwischen 2016 und 2019 erhoben wurden, waren die durchschnittlichen Kosten für Stoßstangenreparaturen bei Fahrzeugen mit FAS um 44 Prozent teurer als bei Fahrzeugen ohne FAS.

Mehr in der aktuellen Ausgabe von FML Der Fahrzeug- und Metall-Lackierer


Zur Abo-Bestellseite >>