Betriebe jetzt fit machen: Hybrid- und E-Fahrzeuge

Zwischen 2015 und 2019 hat sich die Zahl Elektroautos in Deutschland nahezu verdreifacht, bei Hybridfahrzeugen sogar verfünffacht. Höchste Zeit, sich mit den Besonderheiten ihrer Reparatur vertraut zu machen – auch beim Lackieren.

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Die Politik setzt darauf, ebenso die Autoindustrie, und auch die Verbraucher interessieren sich immer mehr für Alternativen zu Benzin- und Diesel-Fahrzeugen. Das belegen die Absatzzahlen: Zwischen 2015 und 2019 hat sich die Zahl der zugelassenen Elektroautos in Deutschland nahezu verdreifacht, bei Hybridfahrzeugen sogar verfünffacht. Klar, dass solche Fahrzeuge zunehmend mit Unfallschäden in die K+L-Werkstätten kommen. Höchste Zeit, sich mit den Besonderheiten ihrer Reparatur vertraut zu machen – auch beim Lackieren.

Als Grundregel gilt: Nur besonders geschulte Mitarbeiter dürfen Hochvoltfahrzeuge (HV-Fahrzeuge) auf dem Betriebsgelände rangieren. Das mag vielleicht streng und bürokratisch klingen, hat aber seinen Sinn. Denn Spannungen von mehreren hundert Volt können bei der Arbeit an E-Fahrzeugen lebensgefährlich sein, erst recht, wenn man es mit beschädigten Fahrzeugen zu tun hat. Deshalb gelten für die Instandsetzung von Elektro- und Hybridfahrzeugen eigene Regeln. Darauf haben sich Werkstätten einzustellen, die aktuell und zukünftig Aufträge in diesem Bereich durchführen wollen.

Berufsverbände raten deshalb dringend zu Mitarbeiterschulungen. Nicht jeder Azubi muss dabei gleich zum Elektriker ausgebildet werden, für einfache Tätigkeiten wie das Rangieren auf dem Betriebsgelände reicht eine technische Einweisung aus. Doch bereits für nichtelektronische Arbeiten wie Radwechsel- oder Karosseriearbeiten ist eine elektrotechnische Unterweisung der Stufe 1 erforderlich. Für elektrotechnische Arbeiten ist die Qualifizierung als HV-Fachkundiger (Stufe 2) Pflicht. Dafür bieten TÜV, Dekra oder freie Schulungsanbieter zweitägige Seminare an. Mindestens ein Mitarbeiter muss über eine Qualifikation der Stufe 2 verfügen, wenn eine Werkstatt HV-Fahrzeuge fachgerecht reparieren will. Er oder sie darf dann auch die technische Unterweisung von Kollegen übernehmen.

Hohe Temperaturen kommen für Elektroautos nicht in Frage

Auch für die Lackreparatur von E-Fahrzeugen gelten besondere Regeln: Denn wegen der verbauten Traktionsbatterie dürfen die Fahrzeuge keinen hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Das bedeutet: Eine forcierte Trocknung bei 60 Grad in der Lackierkabine kommt für Elektroautos nicht in Frage – zu hoch ist das Risiko, dass die Akkus dabei leiden und ihre Leistungsfähigkeit verlieren. Autoreparaturlackhersteller haben sich bereits darauf eingestellt und hochwertige Lacksysteme für niedrige Trocknungstemperaturen entwickelt.

Die Produkte des Standox Xtreme-Systems eignen sich besonders gut für die Lackierung von Elektro- und Hybridfahrzeugen.

Bei Standox gilt dies für das Xtreme-System: Seine Komponenten – darunter je zwei Füller und Klarlacke – ermöglichen einen erstklassigen Lackaufbau. Ihre besondere Stärke ist die schnelle Trocknung schon bei niedrigen Temperaturen. Der neue Standocryl VOC-Xtreme-Plus-Klarlack beispielsweise trocknet bei 40 °C in nur 10 bis 15 Minuten, bei 20 °C, also Raumtemperatur, in 30 bis 55 Minuten. Weiterer Vorteil: Unter diesem Klarlack muss der Standoblue Basislack nicht mehr gehärtet werden, was weiteren Aufwand und Zeit spart. Dank solcher „Schnelltrockner“ können die Temperaturen bei der Lackreparatur von Elektro-Fahrzeugen niedrig gehalten werden – ohne Nachteile bei Qualität, Zeitaufwand und Effektivität. Obendrein lassen sich auch noch bis zu 70 Prozent Energiekosten einsparen.

Die Stromtankstelle im eigenen Betrieb

In der K+L Branche endet ein Auftrag in der Regel damit, dass der zufriedene Kunde sein Fahrzeug selbst vom Hof fährt. Im Fall von E-Autos klappt das nicht immer: Denn ist der Akku einmal leer, geht erst mal gar nichts mehr – kein erfreulicher Auftragsabschluss.

Daher sollten sich zukunftsorientierte Betriebe Gedanken über die Installation einer eigenen Ladestation machen. Unterschieden wird zwischen Wallboxen und echten Elektrotankstellen: Mit der Wallbox, die rund 500 Euro kostet und über das Hausstromnetz läuft, können zwischen 3,5 und 11 kW Ladelei­tung generiert werden. Teurer wird’s bei einer echten Stromtankstelle, die in der Anschaffung rund 10.000 Euro kos­tet. Sie hat dafür aber eine Ladeleis­tung von 44 kW oder mehr. Sie braucht allerdings eine eigene Energieversorgung, kann also nicht einfach im Katalog bestellt werden. Daher müssen zunächst die Bedingungen vor Ort geprüft und Gespräche mit dem zuständigen Energieversorger und der öffentlichen Hand geführt werden. Ist die Versorgung technisch machbar, müssen die Vorgaben der sogenannten Ladesäulenverordnung eingehalten werden.

Das klingt nach viel Aufwand, doch der kann sich schnell auszahlen: Zum einen im Reparaturgeschäft im Hinblick auf zukünftige Anforderungen in der Zusammenarbeit mit Versicherungen und Schadenregulierern. Zum anderen lohnt unter Umständen die Überlegung, eine Betriebs-Stromtankstelle öffentlich zugänglich zu machen. Letzteres verspricht vor allem dann Rentabilität, wenn der Betrieb verkehrsgünstig gelegen ist, beispielsweise an einer stark befahrenen Straße mit viel Durchgangsverkehr. Umfassende Infos und eine Checkliste zu diesem Thema hat das Standox Werkstattnetzwerk Repanet in einem Technik-Newsletter zusammengestellt.

Erik Faßbender,
Schulungsleiter Standox
Deutschland


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