Lasst uns mal über andere Dinge sprechen!

Man sollte auch mal über andere Dinge sprechen, als über die prekäre Marktlage in der Unfallreparaturbranche, oder besser gesagt im Handwerk allgemein.

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Dass uns gerade im Moment die Industrie unsere besten Mitarbeiter mit hohen Löhnen und attraktiven Arbeitszeiten weglockt, können wir in unserer Branche nicht verhindern, das muss an anderer Stelle diskutiert werden. Es fragt sich nur, wer in ein paar Jahren noch die Autos oder die Heizungen der CEOs reparieren soll, wenn sie uns die Leute, die das leisten können, abwerben. Wir werden es in naher Zukunft sehen.

Aber auch in den eigenen Reihen gibt es Verbesserungspotential im Denkprozess. Am liebsten schreibe ich immer über Dinge, die man in der Öffentlichkeit nicht gerne anspricht. Zum Beispiel die schwindenden Anmeldequoten zu diversen Branchenveranstaltungen. Auch wenn es jeder nach außen anders darstellt, außer kürzlich der BVdP bei seiner „Roadshow“ (Kompliment), sieht es in Wirklichkeit mit den Anmeldungen diverser Events nicht so gut aus.

Woran liegt das?
Am Anreiseweg? An den Teilnahmegebühren? Am Programm? Am Organisator…?
Wenn man unter vier Augen mit den Kollegen redet ist die Antwort ganz einfach: Es ist einfach zu viel! Die Kalender sind voll. Wer sich regional, oder überregional bzw. ehrenamtlich engagiert, hat neben den beruflichen Ausflügen kaum noch Zeit private Termine wahrzunehmen, Tendenz steigend. Wenn man in die automobile Zukunft schaut, ist hier auch keine Besserung in Sicht, da die neuen, rasant wachsenden Herausforderungen noch mehr Engagement und Schulungen abverlangen. „Burnoutprävention“ ist heutzutage schon genauso wichtig, wie technische Schulungen, denn wenn der Kopf nicht mehr mitspielt, hat sich der Rest auch erledigt.

Natürlich hat jeder Veranstalter den Anspruch auf Exklusivität und Eigenständigkeit und jeder will der Branche beweisen, dass er etwas Eigenes auf die Beine stellen kann und dass er der Bes­te seines Gebietes ist und dass sein Produkt oder seine Dienstleistung „State oft the art“ ist. Jeder Verband will den Mitstreitern beweisen, dass seine Veranstaltung erfolgreich ist, während andere Probleme haben die Leute „zusammenzutrommeln“. Muss deshalb wirklich jeder sein eigenes Event abhalten?

Als moralische und aufgeklärte Menschen wären wir naturgemäß in der Lage, hart ausgedrückt, diese rudimentäre und egoistische Denkweise zu unterdrücken und das Ziel in den Fokus zu stellen: Nämlich mit der Information, einem Produkt oder einem Anliegen so viele Leute wie möglich zu erreichen, egal wer der insgeheime Veranstalter ist. Je mehr Kollegen und Marktkenner auf einer Veranstaltung sind, desto höher ist erwiesener Maßen die Qualität der Veranstaltung.

Also warum tut man sich nicht zusammen und verbindet zum Beispiel ein Automobiles Zukunftsforum mit den Karosserie- und Schadenstagen und veranstaltet einen Tag vorher oder nachher noch eine Mitgliederversammlung eines Bundesverbandes und eine Netzwerkstatt? Man kennt die Argumente, die dagegen sprechen, die aber, meiner persönlichen Meinung nach, niederen Interessen angehören. Ist Verbandsarbeit Politik oder dient sie dem Mitglied? Das ist die entscheidende Frage. Wenn Sie dem Mitglied dienen soll, dann wären die Veranstalter kompromissbereit. Und wenn man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, spielt es auch keine Rolle, wie weit man fahren muss. Denn die Vergangenheit zeigt, dass das Besucherverhalten nicht mit dem Anreiseweg einhergeht, zumindest zu einem sehr hohen Prozentsatz. Die Besucher, die wir immer alle treffen, fahren über­all hin. Die anderen kommen nicht einmal, wenn es in ihrem Ort ist. Wo ein Wille, da ein Weg – Basta!

Wenn es ein bis zwei große, informative und vielseitige Veranstaltungen im Jahr bundesweit gäbe, hat sich das Problem der mangelnden Anmeldungen erledigt. Hier wird es eher wieder eine Warteliste geben, wodurch die Attraktivität erneut gesteigert wird. – „In ist wer drin ist!“ Ich würde behaupten, dass eine Reduktion der physischen Veranstaltungen die Mitglieder sogar entlas­tet und dadurch positiv stimmt. Rein informative Dinge können heutzutage auch am Bildschirm übermittelt werden. Das schont auch die Umwelt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass diejenigen, die am lautesten auf ein persönliches Treffen gepocht haben, auf das Treffen dann nicht gekommen sind. Natürlich gehen hier die Meinungen auseinander und die Geschmäcker sind verschieden. Jedenfalls hat uns Corona mit Video-Sitzungen gelehrt, dass man nicht überall persönlich anwesend sein muss. Oder selektiert: Betrieb, Verband, privat, – was priorisiere ich , – was lasse ich weg. Aus Gründen der Burnoutprävention bleibt uns das „Weglassen“ vielleicht ewig erhalten…

Die Zukunft wird zeigen, ob sich das Geschriebene jemand zu Herzen nimmt und die Anmeldungen werden zeigen, ob das die richtige Entscheidung war... Aber wie immer stirbt die Hoffnung zuletzt und ich sehe es, wie immer, als meine Aufgabe, Gedankenanstöße zu liefern! Liebe Veranstalter, denkt einfach mal darüber nach! Denn: Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden! (Aldous Huxley)

Euer David