BVdP‐Umfrage: Partnerbetriebe in der Corona‐Krise

Eine Umfrage des BVdP Ende Juli/Anfang August ging der Frage nach, was bedeutet die Corona-Krise für die tägliche Arbeit in deren Mitgliedsbetrieben.

Corona‐Krise stellt Werkstattwelt vor beträchtliche Herausforderungen!

Die Corona‐Krise hat unseren Alltag, egal ob im privaten oder professionellen Umfeld, massiv verändert. Die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen dauert an und ihre Auswirkungen stellen eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen seit Jahrzehnten dar. Vieles ist seit März nicht mehr wie vorher, denn gewohnte Vorgehensweisen und etablierte Prozesse transformieren sich, Entwicklungen wie die Digitalisierung erhalten eine neue Dynamik und bereits vorhandene Sollbruchstellen treten noch deutlicher zu Tage.

Doch was bedeutet das konkret für die tägliche Arbeit in den Mitgliedsbetrieben des BVdP? Wir haben Ende Juli / Anfang August nachgefragt.
Kurz und bündig, die Ergebnisse der BVdP‐Corona‐Umfrage:

• Schutzmaßnahmen und verändertes Kundenverhalten transformieren die Prozesse der Partnerbetriebe und verursachen dort deutlich mehr Aufwand und Kosten!

• Die Reparaturmoral und verändertes Kundenverhalten nehmen erheblich zu.

• Das Auftragsvolumen sinkt bei den meisten Betrieben signifikant, das gilt insbesondere für gesteuerte Schäden.

• Die Liquiditätspolster der Unternehmen schmeluen, es müssen vermehrt Kredite aufgenommen werden und finanzielle Einbußen im fünf- bis sechsstelligen Bereich werden erwartet.

• Die Krise zwingt Unternehmen einer Branche zu Entlassungen, in der bis März Fachkräftemangel herrschte.


Deutliche Mehrkosten durch Schutzmaßnahmen
Oberste Priorität hat in den Werkstätten der Schutz von Kunden und Mitarbeitern. Hygienekonzepte müssen umgesetzt werden und die gewohnten Arbeitsabläufe sind starken Veränderungen ausgesetzt. Darüber hinaus wächst der Bedarf an Überzeugungsarbeit und Kommunikation in Richtung der Werkstattkunden. Dabei entsteht ein signifikanter Mehraufwand, der bislang nur unzureichend in den kalkulatorischen Kosten der Partnerbetriebe berücksichtigt ist.

Beispielhaft lässt sich das am erhöhten Aufwand für den Hol‐ und Bringservice verdeutlichen, denn beinahe die Hälfte der teilnehmenden Partnerbetriebe nennt diesen Punkt und weist in der Mehrzahl darauf hin, dass hier nicht nur die notwendigen Hygienemaßnahmen, sondern auch die deutlich gestiegene Nachfrage nach dem Service zu Buche schlügen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Kunden ohne einen Anspruch auf den Hol/Bringdienst nur zur Reparatur bereit sind, wenn der Betrieb das Fahrzeug möglichst kontaktlos holt und zurückbringt. Sinkende Reparaturmoral Eine weitere Auswirkung der Krise auf das Verhalten der Werkstattkunden ist die feststellbar gesunkene Reparaturmoral. So berichten über 70 % der Partnerbetriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, dass Reparaturaufträge aufgeschoben werden. Auf die offene Frage nach weiteren Änderungen im Kundenverhalten führt ein Großteil der Werkstätten den eindeutig ausmachbaren Trend zur fiktiven Abrechnung an. Zwei Faktoren also, die sich unmittelbar negativ auf die Ertragssituation der Werkstattfachbetriebe auswirken.

Die beiden folgenden Grafiken verdeutlichen das geänderte Kundenverhalten und den gestiegenen Aufwand:




Deutlicher, teilweise dramatischer Auftragsrückgang
Ein minimaler Anteil (1,73 %) der in der Umfrage berücksichtigen Unternehmen konnte das Auftragsvolumen von April bis Ende Juni sogar steigern, immerhin 6,58 % verzeichneten keinen Auftragsrückgang. Über 90 % der Werkstätten aber sind mit einem deutlichen Rückgang der Aufträge konfrontiert, davon über 35 % in einer Range von 30 % bis 50 % weniger. Rund 5 % der Unternehmen beziffern den Rückgang in einem Bereich von 50 – 70 %.

Richtet man den Fokus nun auf die Entwicklung der gesteuerten Schäden (rückblickend auf die letzten 4 Wochen vor dem Befragungszeitraum), dann zeichnet sich kein wesentlich besseres Bild ab. Denn trotz aller Bemühungen der FLIs, Aufträge in die Werkstätten zu vermitteln, werden von den Unternehmen noch deutliche Steuerungsrückgänge verzeichnet. Für rund 6,5 % der Partnerbetriebe bleiben die Zahl der Schäden auf dem Level der Vor‐Corona‐Zeit, die überwältigende Mehrheit der Unternehmen aber muss ‐ zum Teil erhebliche ‐ Auftragsrückgänge hinnehmen.


In den beiden folgenden Grafiken erkennt man deutlich das Ausmaß der Auftragsrückgänge (die Prozentwerte sind kfm. gerundet).



Liquidität teilweise bedrohlich gesunken
Als Reaktion auf die beschriebenen Entwicklungen, mussten viele Unternehmen zusätzliches Kapital beschaffen. Auf die Frage, ob zur Bewältigung der Krise nicht geplante Kredite aufgenommen werden mussten, antwortenten 28 % der Befragten mit Ja. 10 % der Unternehmen mussten über 150 T € an zusätzlichen Mitteln am Kapitalmarkt beschaffen, um die Liquidität im Unternehmen sicherzustellen.



Mitarbeiter‐/Qualifikationsverlust

Ein großer Teil der Unternehmer nutzte oder nutzt bis heute das Instrument der Kurzarbeit, um die Arbeitszeit an das Auftragsvolumen anzupassen und personelle Einschnitte so weit als möglich zu vermeiden. Leider war das nur bedingt möglich, denn rund 48 % der Unternehmen, die auf die Frage nach Entlassungen antworteten, mussten sich in den letzten drei Monaten von Mitarbeitern/innen trennen. Bemerkenswert dabei: circa 54 % der Entlassungen betrafen den qualifizierten, operativen Bereich. Damit haben die Karosserie‐ und Lackierfachbetriebe nicht nur mit finanziellen Einbußen, sondern auch mit einem in seinen Folgen schwer kalkulierbaren Verlust an qualifizierten Mitarbeitern/innen zu kämpfen.



Partnerbetriebe rechnen mit klaren Verlusten
Das Corona auch finanzielle Einbußen für die Unternehmen mit sich bringt ist klar. Wir wollten hierzu eine Einschätzung der Unternehmen haben, wie hoch sie die finanziellen Einbußen beziffern. Lediglich 6 % der Fachwerkstätten gehen davon aus, ohne finanzielle Verluste durch die Krise zu kommen. Von den verbleibenden 94 % rechnen um die 60 % mit Einbußen zwischen 10.000 € und 50.000 €, weitere 34 % erwarten sogar Verluste von 50.000 € bis über 100.000 €.



Signifikante Rückgänge bei verkauften Stunden
Heute zeigt sich, dass die notwendigen Corona‐Schutzmaßnahmen zum Alltag, sprich zu einer neuen Normalität geworden sind. Es bleibt definitiv festzustellen, dass sich damit die Werkstattwelt nachhaltig verändert hat. Mit vielen der oben beschriebenen Effekte werden die Unternehmen noch lange konfrontiert sein. Die Partnerwerkstätten befinden sich also in einer Zwickmühle, denn die zusätzlich entstandenen Prozesskosten stehen nun weniger verkaufte Stunden gegenüber. Es liegt also auf der Hand, dass die fatalen ökonomischen Auswirkungen dieser neuen Normalität – betriebswirtschaftlich sinnvoll – nur durch einen höheren SVS kompensieren lassen.

Anpassung des SVS unumgänglich
Als BVdP können wir angesichts dieser Situation nur davor warnen, im kooperativen Schadenmanagement Corona‐Hilfen oder Zuschüsse zur Desinfektion mit einer längst fälligen Stundensatzanpassung zu verwechseln. Das ist der falsche Weg und geht zu Lasten der Unternehmen. Vielmehr brauchen wir im kooperativen Schadenmanagement ein Umdenken, damit Partner auf Augenhöhe den Kunden qualitativ hochwertige Reparatur bei einem ausgezeichneten Servicelevel bieten können. Konnten Fachwerkstätten bereits vor der Corona‐Krise kaum noch von der eigenen handwerklichen Leistung leben, so muss heute der Stundenverrechnungssatz, eine der Sollbruchstellen im Schadenmanagement, unter den aktuellen Gegebenheiten neu definiert und errechnet werden. Die Zeit ist mehr als reif für eine neue konstruktive Zeitrechnung in der Schadensteuerung, denn Corona hat uns gnadenlos die Grenzen aufgezeigt, die es zu beachten gilt. Eine faire und leistungsbezogene Anpassung des SVS ist ein Invest in die Zukunft der kooperativen Schadensteuerung, die auf fachgerechte Reparatur, auf hervorragenden Service und auf die Leistungsfähigkeit aller Partner setzt und damit die vielzitierte Win‐Win‐Situation in die Praxis umsetzt.

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