BVdP schlägt Alarm

Margenreduzierungen bei Ersatzteilen gehen an die Existenzgrundlage der Werkstätten.

Als wären die Werkstätten in der Schadensteuerung aktuell durch die Folgen der Corona Pandemie oder durch Rechnungskürzungen bei Kleinteilezuschlag, Korrosionsschutz und Batteriespannung nicht ohnehin schon genug Marktdruck ausgesetzt, müssen Sie sich gleich zu Beginn des neuen Jahres mit einer neuen ungeheuerlichen Entwicklung auseinandersetzen, die für viele der Unternehmen massive existentielle Auswirkungen haben wird.

Kurz vor dem Jahreswechsel haben große Teilelieferanten der VAG‐Gruppe angekündigt, die Rabatte auf Ersatzteile erheblich zu reduzieren. Auf einen großen Teil der Karosserieteile erhält der Betrieb im neuen Jahr deutlich schlechtere Konditionen, was signifikant zulasten der Wirtschaftlichkeit geht. Ähnliche Signale gibt es auch von einigen anderen Herstellern, die aber nur einen geringen Marktanteil haben. Bei der VAG‐Gruppe allerdings reden wir über Massenmodelle, die einen immens großen Marktanteil haben.

Ersatzteilmarge ist wichtiger Bestandteil der Wirtschaftlichkeit und damit der Qualität in der Schadensteuerung!

In den jährlichen Kostenstudien des BVdP zeigt sich bereits seit Langem die bedrohliche Entwicklung, dass Betriebe durch ihren Lohnumsatz die betrieblichen Aufwendungen oftmals nicht mehr decken können und die Betriebsleistungseffizienz deutlich unter 100 % liegt. Das heißt, dass bei schmelzenden Ersatzteilmargen das Thema Schadensteuerung in Schieflage gerät, da die angekündigten Kürzungen eindeutig die wirtschaftliche Basis der Betriebe schädigen.

Hält man sich dann noch die Provisionszahlungen im gesteuerten Geschäft vor Augen, muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, wie es ein Partnerbetrieb, dem man zusehend die Margen nimmt, zukünftig noch leisten soll, qualitativ hochwertige Reparaturen und Services abzuliefern oder gar in Zukunftstechnologien zu investieren?

Wir sagen unmissverständlich: Hier muss Schluss sein!

Das Ersatzteilgeschäft muss ein „Geschäft“ bleiben. Die Entwicklung darf nicht dahin gehen, dass Ersatzteile ohne Marge bzw. mit Verlusten weitergegeben werden müssen. Mögliche Lösungen wären z. B. ein Absenken der Provisionen auf Ersatzteile oder UPE‐Aufschläge. Eines ist Fakt: Ohne die wichtigen Margen aus Ersatzteilen gerät das Thema „Schadenlenkung“ in Schieflage und lässt sich wirtschaftlich nicht mehr darstellen. Mittelfristig ist zu befürchten, dass auch die geforderte Qualität nicht mehr geliefert werden kann.

Eine gemeinsame Kraftanstrengung ist gefragt

In dieser Gemengelage sind nach Auffassung des BVdP alle Player im Schadenmanagement gefragt, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Es kann nicht im Interesse eines für alle Seiten auskömmlichen und kooperativen Schadenmanagements sein, dass diese Entwicklung allein auf dem Rücken der Betriebe ausgetragen wird. Wer auf qualitativ hochwertige und fachgerechte Reparatur und zukunftsfähige Partnerbetriebe setzt, muss nun schon aus Eigeninteresse handeln.

Darüber hinaus kann die sich abzeichnende Schieflage durchaus auch negative Folgen auf weitere Akteure im Ersatzteilgeschäft haben, da die Akzeptanz für Provisionen und Plattformen sicherlich auch in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir sind uns allerdings schon heute sicher, dass die Werkstätten sehr genau prüfen werden, wo sie Teile zukünftig mit welchen Margen kaufen werden.