Erneuerung der Kunststoff-Grundierung

Nach wie vor lässt sich die Haftbeständigkeit applizierter Kunststoff-Grundierungen auf Karosserieersatzteilen nicht auf dem ersten Blick identifizieren. Reklamationen aufgrund von Lackablösungen können vorprogrammiert und somit eine Folgeerscheinung sein.

Fahrzeughersteller und Importeure sind in der Pflicht, Bauteile so zu liefern, dass diese im After-Sales-Bereich sowie in der Unfallschadeninstandsetzung auch problemlos verwendbar sind. Die oben beschriebenen „Qualitätsmängel“ dürfen keinesfalls zu Lasten der Karosserie- und Lackierfachbetriebe gehen.

Der Aufwand für die erforderlichen und teils aufwendigen Vorbereitungsarbeiten/Tests, insbesondere für das komplette Entfernen der werks- bzw. herstellerseitigen Kunststoff-Grundierung, ist in keiner Vorbereitungs- oder Lackierzeit enthalten und muss dem Auftrag direkt zugeordnet und nach Aufwand abgerechnet werden. Die durchgeführten Tests sollten bildhaft dokumentiert und die Testergebnisse (beispielsweise Klebebänder) im Auftrag hinterlegt (archiviert) werden. Diese könnten dann bei Bedarf als Nachweis dienen.

Prinzipiell sind die Bauteile bzgl. der Herstellergarantie beim Hersteller/Lieferanten zu reklamieren und möglichst umzutauschen. Allerdings hat die Historie gezeigt, dass die nachgelieferten Bauteile produktions- oder chargenbedingt die gleichen Qualitätsmerkmale aufweisen können, was ggf. zu unnötigen Zeitverzögerungen im Reparaturprozess führen kann. Der hierfür entstehende Mehr-Aufwand ist auftragsbezogen zu dokumentieren und abzurechnen. Die IFL wird hierfür mit der nächsten Aktualisierung der IFL-Liste „Frei wählbare Arbeitspositionen“ eine weitere Arbeitsposition für das Grundieren bereits grundiert gelieferter Kunststoffanbauteile aufgrund von Haftungsstörungen erstellen und der IFL-Liste zufügen. Der Umfasstext wird alle erforderlichen Aufwendungen für Tests und das Entfernen der Werksgrundierung enthalten. Nicht zu verwechseln ist diese Position mit der IFL-Position „Umfüllern“, da es hierbei um farbtonspezifische Problematiken geht. In der Zwischenzeit sollten für die Abrechnung „Eigene oder Nicht-Standardpositionen“ mit entsprechendem Umfasstext erstellt werden. Da bei den meisten Fahrzeugherstellern/Importeuren keine Kunststofflackstufen existieren, sollten für die Kalkulation/Abrechnung die Kunststofflackstufen für entsprechende Anlieferungszustände des AZT Lacksystems genutzt werden.

Fügen Sie der Rechnung die IFL-Technische Mitteilung 08/2021 bei.

Verzichten Sie nicht auf die Beschaffung der technischen Informationen wie technische Merkblätter der Reparaturlackhersteller. Original Hersteller-Reparaturanleitungen sind zu berücksichtigen (z. B. über www.repair-pedia.eu). Dokumentieren Sie alle zusätzlich erforderlichen Arbeiten.

Die anfallenden Kosten sind individuell dem Reparaturauftrag direkt zuzuordnen und somit Bestandteil der Reparaturrechnung!

Laden Sie hier IFL-Technische Mitteilung 08/2021 herunter.