IT-Sicherheit

86% der deutschen Unternehmen hatten nach einer Studie des TÜVs im vergangenen Jahr einen IT-Sicherheitsvorfall. Daher fordern die Unternehmen strengere gesetzliche Vorgaben.

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland (47 Prozent) fordert höhere gesetzliche Anforderungen an die IT-Sicherheit in der Wirtschaft. Das hat eine repräsentative Ipsos-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 503 Unternehmen ab 10 Mitarbeitern ergeben. Befragt wurden IT-Sicherheitsverantwortliche, IT-Leiter und Mitglieder der Geschäftsleitung. Demnach stimmen zudem 59 Prozent der Aussage zu, dass Regulierung durch den Gesetzgeber wichtig ist und zu einer besseren IT-Sicherheit ihres Unternehmens beiträgt.

„Die Unternehmen geben ein überraschend starkes Votum für eine stärkere gesetzliche Regulierung der IT-Sicherheit in der Wirtschaft ab.“
Dr. Michael Fübi, Präsident des TÜV-Verbands (VdTÜV)

Die wichtigsten Gründe für den Wunsch nach strengeren staatlichen Vorgaben seien eigene Erfahrungen mit Cyberkriminalität und die digitale Transformation. In der Umfrage geben drei von vier Unternehmen an (77 Prozent), dass die Bedeutung der IT-Sicherheit in den vergangenen fünf Jahren für sie gestiegen ist. Als Gründe für das Umdenken nennen 78 Prozent der Befragten die zunehmende Digitalisierung, 41 Prozent Berichte über immer neue Cyberangriffe und 29 Prozent einen IT-Sicherheitsvorfall im eigenen Unternehmen. „Sehr viele Unternehmen nehmen Cyberangriffe nicht mehr als abstrakte Gefahr wahr, sondern sind direkt betroffen“, sagte Fübi. In dieser Situation würden Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, wie sie sich besser schützen können. Gesetzliche Vorgaben sowie Normen und Standards helfen dabei. Fübi: „Mit dem geplanten IT-Sicherheitsgesetz 2.0 in Deutschland und dem Cybersecurity Act in der EU stehen Instrumente zur Verfügung, mit denen die Politik den Schutz vor Cyberangriffen in der Wirtschaft wirksam verbessern kann.“

Zur IT-Sicherheit in der Wirtschaft sagte Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Ransomware wie zum Beispiel Emotet ist eine der großen Bedrohungen für die Wirtschaft in unserem Land. Angriffe auf Regierungsnetze konnten wir als BSI erfolgreich abwehren. Viele Betriebe und Unternehmen jedoch mussten sich mit der Verschlüsselung ihrer Daten und einer anschließenden Lösegelderpressung auseinandersetzen. Es wird nie eine hundert prozentige Sicherheit vor Cyberangriffen geben, aber man kann sich schützen. Das BSI mit seiner integrierten Wertschöpfungskette der Cyber-Sicherheit, bietet hier unter anderem mit dem seit 1994 erfolgreichen IT-Grundschutz Lösungen und Maßnahmen zum Schutz für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft an. Die TÜV-Organisationen als ein Audit-Anbieter sind dabei ein kompetenter Partner für mehr Cyber-Sicherheit in Deutschland."

Nach den Ergebnissen der Umfrage hatte gut jedes achte Unternehmen (13 Prozent) in den vergangenen 12 Monaten vor der Befragung einen IT-Sicherheitsvorfall. Jedes vierte betroffene Unternehmen (26 Prozent) berichtet von Phishing-Angriffen, bei denen – in der Regel per E-Mail – Schadsoftware in die Organisation eingeschleust wird. An zweiter Stelle steht Ransomware (19 Prozent), mit deren Hilfe Cyberkriminelle die IT-Systeme einer Organisation lahmlegen und die Unternehmen dann erpressen. Ein weiteres weit verbreitetes Phänomen ist Social Engineering (9 Prozent). Mitarbeiter werden gezielt manipuliert, um sich Zugang zu den IT-Systemen des Unternehmens zu verschaffen. Weitere Angriffsszenarien sind Man-in-the-middle-, Passwort- und DDoS-Angriffe. „Die Folgen sind Systemausfälle, eine geringere Produktivität und nicht zugängliche Dienste für Kunden – der Worstcase für jedes Unternehmen“, sagte Fübi. Die Vorfälle führten zu finanziellen Schäden, aber häufig auch zu einem Schaden für die Reputation des Unternehmens oder zu anderen Wettbewerbsnachteilen