Kleinschadenreparatur bei Old- und Youngtimern

Bagatell- und Kleinstschäden sind an fast jedem Fahrzeug zu finden. Bei Alltagsautos ist das „nicht schön“, aber bei Liebhaberfahrzeugen ist die Toleranzschwelle diese Unschönheit auszuhalten meist deutlich niedriger.

Da die Schadstellen recht klein sind geht dieser Wunsch oft einher mit der Vorstellung nach einer möglichst günstigen Reparatur. Und damit liegt der klassische Lackierbetrieb meist nicht an erster Stelle auf der Liste der Suchenden.

Eigene Versuche von Eigentümern mit (un)gesundem Halbwissen sorgen für eine gewisse Demut vor dem Handwerk des Lackierers. Andere Versuche Kosten zu sparen führ(t)en oft zu einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis. Vermeintliches sparen kann auch für letztendlich höhere Kosten sorgen. Eine wirklich unsichtbare und möglichst sehr kleinflächige Lackreparatur speziell auf gealterten Lackschichten bedingt Personal mit hohen Fachkenntnissen. Der „Schutz“ der umliegenden Altlackierung – das muß gar nicht immer die Erstlackierung sein - ist im Gegensatz zur Lackierung von Neufahrzeugen ein echtes Verkaufsargument für Liebhaberfahrzeuge. Damit eröffnet sich eine perfekte Chance für Lackierbetriebe diese Lösung auch offensiv anzubieten.

Dennoch ist das Verhältnis von Oldtimerbesitzern zu Lackierern durchaus ambivalent. Einerseits herrscht Respekt vor dem Handwerk, andererseits droht vermeintlich immer ein tiefer Griff in die Privatschatulle. Woran liegt’s? Der Gegensatz zwischen der (Un-)Sichtbarkeit und dem Aufwand genau dies zu erzielen könnte nicht größer sein, Wie soll der Eigentümer also beurteilen was da passiert und für welchen Aufwand er eigentlich bezahlen soll? Wichtig und für den Verkauf der handwerklichen Leistung des Lackierbetriebs ist möglichst genau den Aufwand zu erklären. Eine sehr gut geeignete Möglichkeit ist die Visualisierung der Arbeitsschritte, beispielsweise mit Hilfe eines Verfahrensposters, das sich idealerweise im Annahmebereich befindet.

Es beschreibt die detaillierten Abläufe und ist ein wichtiges Verkaufsförderungsmittel im Lackierbetrieb. Hier wird für den Autobesitzer transparent wieviel Know-How und Komplexität selbst in solch einer kleinen Reparatur steckt. Nutzen Sie dies um ihren Aufwand zu verkaufen!

Das auf dieser Verfahrenssabbildung gezeigte Lackiersystem für Zweischicht-Metallic-Lackierungen wurde schon im Jahr 2000 eingeführt und patentiert. Kleinstflächige Farbtonangleichung und die Schaffung eines unsichtbaren Übergangs von Altlack zur neu lackierten Fläche mit Hilfe des sog. „Spotblenders“ waren damals neue Lösungen. Und genau diese Lösung bietet sich geradezu an, wenn der maximale Erhalt der Altlackierung gefragt ist.

Doch ist solch ein Lackierverfahren auch auf Oldtimern anwendbar?
Ja, wenn eine intakte Altlackierung vorliegt. Das Lackierverfahren unterscheidet sich nicht vom Verfahren für jüngere Fahrzeuge. Auch Alterungsspuren lassen sich wenn gewünscht anpassen.
Dieses Verfahren ist für die Reparatur kleiner Schäden (Durchmesser max. 3 cm) im Teil ohne strukturelle Schäden wie z.B. Dellen entwickelt. Für diese kleinflächige Beilackierung kann es an waagerechten Flächen und sehr hellen Metallic-Farben technisch bedingt Einschränkungen geben.

Was geht nicht mit diesem Lackierverfahren?
Auch hier ist Klarheit wichtig. Spot-Repair mit modernen Lacksystemen geht nicht auf naturharzbasierten Öllacken, Nitro- oder TPA-Lackierungen. Auch Einschicht-Metallic-Lackierungen lassen sich nicht unsichtbar „spotten“ – früher übrigens auch nicht. Kleinstschadenreparatur bei Unilacken ist natürlich möglich mit einem anderen Verfahren. Die Empfehlungen der Lackhersteller sind zu beachten.

Bei der Besichtigung des Fahrzeugs ist wichtig zu prüfen ob der Schaden wirklich nur ein Parkrempler ist oder die Schadensursache doch eher in der Tiefe des Lackaufbaus verborgen ist. Vom Lackierer meist schnell zu erkennen, dennoch ist genaues Hinsehen angebracht. Falls die Ursache des Schadens „von innen“ kommt, sind wir mit Korrosion, Abplatzungen, Versprödung etc. ohnehin in einem anderen Schadensbild. Eine kleinstflächige optische Anpassung mit dieser Methode kann dennoch erfolgen.
Klare Vorgaben für verschiedenen Schadensbilder wie bei Neufahrzeugen kann es nicht geben, denn jedes Fahrzeug ist nach mehreren Jahrzehnten, unterschiedlichen Historien und Pflegezuständen immer ein Einzelfall, den man sich sehr genau anschauen muß.

Viel Erfahrung bei bestimmten Modellen hilft, denn dann sind die kritischen Bereiche und Ursachen meist bekannt. Auf Überraschungen trifft man spätestens beim ersten Anschliff der Schadensstelle. Vorher Schichtdicke messen und bei evtl. Bruchstellen des Lackaufbaus ermitteln was eigentlich wirklich auf dem Auto ist, ist extrem hilfreich. Dokumentation zum Lackaufbau gibt es so gut wie nie. Neben der Erklärung der Arbeitsschritte ist also kompetente Beratung essentiell, um Vertrauen der Eigentümer in den Lackierbetriebs aufzubauen. Viele Aspekte kommen zusammen, denn sie wollen ihr „Familienmitglied“ in guten Händen wissen.

Dieses Vertrauen ist ein fragiles Gut und bedingt enge Abstimmung und Offenheit mit dem „Schadensteuerer“ Eigentümer. Auch wenn mal etwas nicht klappen sollte, ist eine fachliche Erklärung wichtig. Wenn das gelingt kann das Beste passieren und Sie haben einen positiven Mulitplikator gewonnen.