Technische IFL-Mitteilung

Aktuelle Informationen zur Erforderlichkeit der Beilackierung in angrenzende Teile.

Ergänzend zur im Jahr 2016 veröffentlichten IFL-Technische Mitteilung 12/2016 „Angaben zu Teillackierungen in den Kalkulationssystemen Audatex und DAT“, möchte die IFL aktuell dem Stand der Technik entsprechende Informationen bereitstellen. Hintergrund: Sind immer wieder aufkommende Informationen zu Rechnungskürzungen und Vorgaben von Versicherern, sogenannte “Vertragspartner“ der Karosserie- und Lackierfachbetriebe, nicht fachgerechte Reparatur-/Lackiermethoden anzuwenden, mit dem Hintergrund der Kostensenkung. Dies geht zu Lasten der Reparatur-/Lackierqualität.

Stand der Technik: Die sich zunehmend durchsetzenden schwer reproduzierbaren Farbton- und Effekttrends, die derzeit bei allen Fahrzeugherstellern und Importeuren zu finden sind, machen es zunehmend erforderlich, an Schadenbereiche angrenzende Karosseriebauteile bzw. Flächen großflächig zwecks Farbtongleichheit (unsichtbare Reparaturlackierung) vollständig mit einer sogenannten Oberflächenlackierung zu beschichten. Teilweise ineinanderlaufende, unterschiedliche Strukturen und Lackoberflächen-Beschaffenheiten auch innerhalb von Bauteilen sowie verschiedene haptische Effekte, entweder unter- oder innerhalb des Basislackes oder Klarlackes aufgebracht, sind hierfür beispielhaft.

Problemstellung: Das sogenannte „Beilackieren im Teil“ ist keine fachgerechte und somit keine vollständige Reparatur/Lackierung in der Unfallschadenreparatur. Die Beilackierung im Teil stellt zwar eine lackiertechnische Möglichkeit dar, kostengünstig Reparaturen/Lackierungen durchzuführen, ist aber unter qualitativen Gesichtspunkten nicht fachgerecht und somit in der Unfallschadeninstandsetzung nicht anzuwenden.

Ausnahmen: Kostengünstige und zeitwertgerechte Reparatur von älteren Fahrzeugen im speziellen Auftrag von z. B. Privatkunden. Die von verschiedenen Fahrzeugherstellern/Importeuren teilweise vorgegebenen Angaben zum Teillackieren im Rahmen einer kostengünstigen Kulanz- bzw. Garantieabwicklung, unterliegen den Garantiebedingungen der einzelnen Hersteller/Importeure und sind Bestandteil von Verträgen. Hier muss individuell unter dem Aspekt der Kundenzufriedenheit entschieden werden.

Was sagen die Fachverbände: Merkblatt Spotlackierung immer noch aktuell: Dieses Merkblatt wurde vom Institut für Fahrzeuglackierung (IFL) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Fahrzeuglackierung im Maler- und Lackiererhandwerk, der Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer im Hauptverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz (BFL), dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) und dem Ausschuss Autolackierung und Oberflächentechnik im Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) erstellt.

Aussage: „Die Spot-Lackierung ist eine Beilackiermethode*“, bei der das Langzeitverhalten der Übergangsstelle zwischen altem und neuem Klarlack noch nicht wissenschaftlich untersucht worden ist. Es besteht die Gefahr, dass bei jedem Poliervorgang Abrisskanten an der Übergangsstelle entstehen. Teilweise wünschen einzelne Kunden kostengünstige Alternativen; ggf. kann diese Methode eine zeitwertgerechte Reparaturmethode mit qualitativen Einschränkungen darstellen.“

* Das Beilackieren von Basis- und Klarlack ist eine Methode, bei dem innerhalb eines Teiles der Lack ausläuft. Die Übergangsstelle von altem und neuem Klarlack wird poliert, um eine Angleichung zu erreichen.

Merkblatt „Unterschiede zwischen Serien- und Reparaturlackierung (2. Auflage 2017) immer noch aktuell:

  • Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz, Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL)
  • Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e. V. (BVSK)
  • Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V. (VdL)
  • Verband der unabhängigen KFZ-Sachverständigen e. V. (VKS)
  • Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V. (ZDK)
  • Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e. V. (ZKF)

Aussage: „Die Beilackierung hat in den letzten Jahren angesichts der rund 40.000 auf dem Markt befindlichen Farbtöne deutlich an Bedeutung gewonnen. Farbtonunterschiede an Fahrzeugen kommen teilweise bereits in der Serie vor. Entscheidend ist allerdings, dass eine Reparaturlackierung völlig anders, mit anderen Lacken und anderen Techniken durchgeführt wird, als die Werkslackierung. Farbtonunterschiede sind nahezu unvermeidbar. Damit aber das menschliche Auge die noch vorhandenen Farbunterschiede nicht mehr als Unterschiede wahrnehmen kann, hat sich die Technik der Beilackierung seit vielen Jahren durchgesetzt, um eine möglichst hohe Kundenzufriedenheit zu erreichen.“

Stand heute: Bei ca. 175 Fahrzeugherstellern weltweit, mit ca. 350 Produktionsstätten, 1.200 neuen Farbtönen jährlich, 10.000 Pigmenten im Markt, ist die Vielfalt schier unüberschaubar. Die Fahrzeughersteller und Importeure können auf ca. 2.000 Pigmente zurückgreifen. In der Reparaturlackierung stehen den Lackierfachbetrieben allerdings derzeit lediglich 100 Pigmente zur Verfügung. Dazu kommen starke Farb- und Helligkeitsflops sowie unterschiedlichste Grobheiten der Pigmente.

Die Primer/Füller sind heute auch farbgebende Elemente. Eingefärbte Klarlacke (lasierend), diverse Lasuren, fehlende Deckkraft (Robotrack), machen selbst „schwarz und weiß“ zu ei-ner Herausforderung.

VdL (Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V.)

Position der Lackhersteller zum Thema „Beilackieren im Schadenfall“, Arbeitskreis Autorepa-

raturlacke. Aussage: „Die große Palette an Farbtönen der im Markt befindlichen Fahrzeuge verlangt auch bei der Reparaturlackierung, dass man sich lackier- und farbtontechnisch auf diese Vielfalt einstellt. Verschiedene Faktoren wie:

  • Farbtonvarianten in der Serienfertigung,
  • Optische Wirkung von Farbtönen in Abhängigkeit von der Fahrzeuggeometrie,
  • Unterschiedliche Lacktechnologien der Werks- und Reparaturlackierung,
  • Farbton- und effektspezifische Auswirkungen auf die optische Wahrnehmung von Farbtönen,
  • Klimatische Bedingungen während der Applikation bei wasserbasierenden Lacksystemen machen es anerkanntermaßen in vielen Fällen erforderlich, die auftretenden Farbtonunterschiede durch lackiertechnische Maßnahmen auszugleichen.

Diverse lacktechnische Aspekte sind bei einer Schadensfeststellung zu berücksichtigen und können maßgeblich für eine Entscheidung über die Notwendigkeit einer Beilackierung sein, wie z. B.: 11) Musterbleche zeigen Unterschiede in Farbton/Effekt?

Zeigen erstellte Musterbleche mehrfach Farbtonabweichungen zu den anderen Fahrzeugteilen, ist abzuwägen, ob Nuancieren oder eine lackiertechnische Farbtonanpassung (Beilackierung) zu einem angemessenen Ergebnis führen kann. Wichtigste Aussage zur Spotlackierung lautet: „Die fachgerechte Instandsetzung eines Fahrzeuges in den Zustand, wie er unmittelbar vor Eintritt des Schadenereignisses bestand, ist nur mit einer Klarlackbeschichtung möglich, die die Fläche des zu reparierenden Bauteils ganzflächig abdeckt. Die Lackhersteller bekräftigen hier auch die vom ZKF vertretene Position, dass die Spot-Lackierung im Versicherungsfall als Reparaturmethode nicht herangezogen werden kann.“

BFL (Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer) Handlungsempfehlung zur Farbtonbestimmung / Kalkulation

Aussage: „Es gibt diverse Vorträge und Ausführungen zu Lack, Lackerhaltung, Farbe, Farbmetrik, Pigmenten, Metamerie, Empfehlungen der Lackhersteller, nicht deckende Farbtöne, Wolkenbildung, Applikationstechnik, Lackveränderung durch Umwelteinflüsse, Serien- und Reparaturlackierung usw., die die Notwendigkeit der Farbtonangleichung aus technischer Sicht erläutern und bestätigen. Ebenso wurde schon oft erläutert, inwieweit es ökonomisch/ökologisch sinnvoll, bzw. unsinnig ist, zunächst „auf Kante“ zu lackieren, um nach Feststellung, dass der Farbton flächig lackiert anders aussieht, als auf der vorab erstellten Musterkarte, die gleiche Lackierung noch einmal und mit den angrenzenden Teilen zu wiederholen.“

Was die Lackhersteller sagen, finden Sie hier.