Neuzulassungen Caravaning-Branche

Die Nachfrage nach Reisemobilen und Caravans ist ungebrochen hoch, doch stockende Lieferketten und Fachkräftemangel erschweren die Produktion von Freizeitfahrzeugen.

Im Zeitraum Januar bis September wurden insgesamt 78.011 Freizeitfahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Es ist das drittbeste Ergebnis der Branchengeschichte für diesen Zeitraum. Damit liegen die Neuzulassungen zwar rund 13,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau, toppen aber immer noch deutlich die Vor-Corona-Jahre. Mit 21.110 Einheiten verzeichnet die Caravan-Sparte im bisherigen Jahresverlauf ein leichtes Minus von 2,7 Prozent. 56.901 neu zugelassene Reisemobile bedeuten ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Rekordwert aus 2021. Der Industrie fehlt es aufgrund stockender Lieferketten an Material und Komponenten, insbesondere bei den Fahrzeugchassis. Hinzu kommt der branchenweite Personalmangel.

Der Trend zum mobilen, individuellen und naturnahen Urlaub hat lange vor der Pandemie begonnen und setzt sich weiter fort: Viele Menschen verbringen ihre Freizeit mit Reisemobil oder Caravan – Tendenz steigend. „Reisemobile und Caravans sind weiterhin sehr nachgefragt und die Auftragsbücher der Hersteller gut gefüllt. Die Pandemie hat diesem langfristigen Trend einen weiteren Schub gegeben“, erklärt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD). Trotz der großen Beliebtheit der Urlaubsform meldet die Caravaning-Branche im Vergleich zum Vorjahr für die ersten drei Quartale weniger Neuzulassungen:
Die Caravan-Neuzulassungen liegen mit 21.110 Fahrzeugen rund 2,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die Reisemobilsparte meldet mit 56.901 Einheiten ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2021. Mit insgesamt 78.011

Freizeitfahrzeugen erzielt die Branche trotzdem das drittbeste Ergebnis der Branchengeschichte für die ersten drei Quartale.

Herausforderungen für die Industrie
Der hohen Nachfrage nach Fahrzeugen stehen Probleme in der Produktion und Auslieferung gegenüber. Hierfür sind mehrere Entwicklungen verantwortlich:
Stockende Lieferketten belasten auch die Caravaning-Industrie seit über einem Jahr. Es fehlt branchenübergreifend an Material und Bauteilen. Oft können Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden, weil einzelne Komponenten fehlen. Preise und Verfügbarkeit zahlreicher Materialen und Bauteile ändern sich fortlaufend. Es fehlt den Betrieben an Planungssicherheit.

In der Reisemobilproduktion spiegelt sich der Mangel an Fahrzeugchassis deutlich in den Neuzulassungszahlen wider: Den Betrieben fehlt es an Basisfahrzeugen, weshalb bestellte Reisemobile erst gar nicht in die Produktion gehen können. Dies betrifft vor allem die klassischen Reisemobiltypen und Kastenwagen. Nur bei den ultrakompakten Campervans sieht die Versorgungslage etwas positiver aus. Um mehr Fahrzeugchassis zur Verfügung zu haben, setzen immer mehr Unternehmen auf neue Kooperationen mit Basisfahrzeugherstellern, daher vergrößert sich die Markenvielfalt in diesem Bereich. Hersteller, die beide Fahrzeugtypen produzieren, haben in den vergangenen Monaten vermehrt auf die Fertigung von Caravans gesetzt, um Produktionslücken zu vermeiden.

Betriebe melden branchenübergreifend einen akuten Fachkräftemangel. Wie andere Wirtschaftszweige auch, verzeichnet die Caravaning-Industrie eine hohe Zahl an pandemiebedingten Personalausfällen. Hinzu kommt der grundlegende Mangel an Nachwuchsfachkräften. Um dem entgegenzuwirken, hat der CIVD eine neue, speziell auf die Ansprüche der Branche abgestimmte, Fachrichtung namens „Caravan- und Reisemobiltechnik“ für den Ausbildungsberuf „Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/in“ entwickelt. Geplanter Ausbildungsstart ist im August 2023.

„Es ist eine frustrierende Situation für alle Beteiligten. Die Industrie könnte unter normalen Bedingungen deutlich mehr Fahrzeuge bauen und liefern. Doch angesichts der Probleme in der Produktion müssen Händler und Kunden leider länger als üblich auf ihre Reisemobile und Caravans warten“, zieht Daniel Onggowinarso Bilanz.

Branche bleibt optimistisch
Die im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Neuzulassungszahlen sind für den CIVD-Geschäftsführer allerdings kein Grund, pessimistisch in die Zukunft zu blicken: „Dieses Jahr wird unsere Branche keine neuen Zulassungsrekorde aufstellen. Allerdings liegen wir bei den Reisemobilen noch deutlich über den Werten der Vor-Corona-Jahre und haben insgesamt das drittbeste Ergebnis aller Zeiten für den Zeitraum Januar bis September erzielt. Das ist angesichts der extrem schwierigen Rahmenbedingungen ein sehr solides Ergebnis und zeigt, wie gut die Caravaning-Branche auf die Krisen reagiert hat.“ Hersteller und Zulieferer hoffen für das kommende Jahr auf eine Entspannung bei der Liefersituation: „Sobald Fahrzeugchassis und Bauteile besser verfügbar sind, werden die Betriebe wieder effektiver ihre Aufträge abarbeiten und kürzere Lieferzeiten realisieren können.“, so Daniel Onggowinarso weiter.