E-Auto-Boom gibt Pkw-Markt kräftig Rückenwind

Der Boom bei Elektroautos wird zunehmend zum Wachstumstreiber im deutschen Pkw-Markt. Die dynamische Entwicklung der E-Mobilität gibt dem Gesamtmarkt spürbar Rückenwind.

Foto: Volkswagen AG
„Elektromobilität braucht einen dauerhaft tragfähigen Markt und keine kurzfristigen Strohfeuer.“
Thomas Peckruhn
ZDK-Präsident

„Die E-Mobilität gewinnt weiter an Fahrt – und das sorgt inzwischen auch spürbar im Gesamtmarkt für Bewegung“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Die Förderung erleichtert die Kaufentscheidung, das größere Modellangebot schafft mehr Auswahl und die gestiegenen Kraftstoffpreise machen die Betriebskosten stärker zum Thema. Für unsere Betriebe ist das ein wichtiger Impuls.“

Nach Angaben der Bundesregierung wurden seit dem Start des Programms im Mai bereits 100.000 Förderungen ausgezahlt. Wie stark die E-Mobilität inzwischen zum Marktwachstum beiträgt, zeigen die aktuellen Zulassungszahlen: Im September wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 88.599 vollelektrische Fahrzeuge (BEV) neu zugelassen – nahezu doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Der BEV-Anteil stieg damit auf 34,5 Prozent und lag erstmals bei mehr als einem Drittel aller Pkw-Neuzulassungen. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden fast 60 Prozent mehr BEV neu zugelassen als im Vorjahreszeitraum.

E-Auto-Boom gibt Gesamtmarkt Rückenwind
Der Rückenwind ist inzwischen auch im Gesamtmarkt spürbar: Mit einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Pkw-Markt im September seinen dritthöchsten monatlichen Zuwachs in diesem Jahr.

„Unsere Betriebe verkaufen mehr E-Autos, auch der Gesamtmarkt zieht an. Das reicht vielfach aber noch nicht aus, um das weiterhin niedrige Verkaufsniveau bei Neuwagen im Vergleich zur Vor-Corona-Krisenzeit auszugleichen“, sagt Peckruhn. „Enorme bürokratische Hürden sowie gestiegene Fahrzeug- und Betriebskosten, höhere Zinsen und ein anspruchsvolles Marktumfeld setzen den Autohäusern weiterhin zu.“

Das schwierige Marktumfeld trifft auch die Verbraucher. Hohe Anschaffungspreise und gestiegene Finanzierungskosten machen den Neuwagenkauf für viele Haushalte zu einer erheblichen finanziellen Entscheidung. „Die Förderung hilft dort, wo sie eine Kaufentscheidung erleichtert. Sie kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Neuwagen für viele Menschen schwerer finanzierbar geworden ist“, so Peckruhn.

Förderung muss auch Gebrauchte erreichen
Angesichts der hohen Nachfrage nach geförderten E-Neufahrzeugen unterstützt der ZDK die Forderung der Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen, die Kaufprämie auch auf elektrische Gebrauchtfahrzeuge auszuweiten. Junge gebrauchte E-Autos sind kurzfristig verfügbar und könnten damit einen schnellen Zugang zur Elektromobilität ermöglichen. Aufgrund ihrer ursprünglich höheren Anschaffungspreise liegen sie im Vergleich zu geförderten Neuwagen vielfach jedoch noch auf einem für viele Käufer wenig attraktiven Preisniveau. Eine Ausweitung der Förderung würde insbesondere Menschen mit geringerem Budget den Zugang zur E-Mobilität erleichtern und zugleich verhindern, dass eine reine Neuwagenförderung die Restwerte gebrauchter E-Autos zusätzlich unter Druck setzt.

Wie nachhaltig der Aufwärtstrend bei der Elektromobilität ist, wird deshalb auch davon abhängen, ob die Nachfrage über den Förderzeitraum hinausträgt. „Elektromobilität braucht einen dauerhaft tragfähigen Markt und keine kurzfristigen Strohfeuer“, betont Peckruhn. „Unsere Betriebe stehen bereit, Kunden technologieoffen zu beraten und beim Umstieg zu begleiten. Dafür brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen, bezahlbare Fahrzeuge und ein Angebot, das zu den Bedürfnissen der Kunden passt.“