Die Zukunft repariert anders
Die Karosserie- und Lackierbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Moderne Fahrzeugtechnologien, digitale Prozesse und steigende Kundenerwartungen erfordern neue Kompetenzen und zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
„Man kann nur wachsen, wenn man mit anderen Betrieben an einem Strang zieht und sich immer wieder austauscht und vernetzt.“
Paul Hartleib
Fahrassistenzsysteme, Sensorik, alternative Antriebe und softwaregesteuerte Fahrzeugtechnik verändern Reparaturprozesse grundlegend. Mit der zunehmenden Elektronik steigt auch die Komplexität der Fahrzeuge und damit die Anforderungen an Diagnose und Reparatur. „Man muss mit Bedacht in die Zukunft schauen, den technischen Fortschritt im Blick behalten und offen für neue Möglichkeiten bleiben“, erklärt Paul Hartleib. Schon seit 2020 war er als Teil der Geschäftsführung aktiv und führt die Hartleib GmbH & Co. KG seit diesem Jahr als alleiniger Geschäftsführer in zweiter Generation. Im Familienbetrieb aufgewachsen, kennt er die Branche von Grund auf und ist mit 30 Jahren das, was man die junge Generation der Unternehmer nennen kann: Eine Generation, deren Kerngeschäft durch die zunehmende Fahrzeugautomatisierung grundlegend verändert wird. Hartleib ist sich sicher: „Mit neuen Fahrzeugen und smarten Fahrassistenzsystemen werden Unfälle immer unwahrscheinlicher. Insbesondere autonomes Fahren wird einen starken Einfluss darauf haben, wie sich der Schadenbereich verändert.“
Ebenfalls Teil der neuen Generation sind Dennis und Kevin Bürk, Geschäftsführer von Bürk Karosserie & Lack in Winterbach. Mit der Übernahme des elterlichen Betriebs vor vier Jahren führen sie das Unternehmen in die Zukunft – und erleben täglich, wie sich die Anforderungen an Werkstätten verändern. „Eins ist sicher, und das ist der Wandel: Der Markt verändert sich, genau wie das Umfeld und die Generationen“, so Dennis Bürk. Eine kontinuierliche Weiterbildung und spezifischere Qualifikationen sind aus diesem Grund heute relevanter denn je: „Je komplexer die Fahrzeuge werden, desto wichtiger wird es, Reparaturen nach Herstellervorgaben möglichst genau und präzise durchzuführen.“
KI sinnvoll integrieren
Ob KI-gestützte Telefonassistenz, automatisierte Schadenkalkulation oder digitalisierte Datenverarbeitung: Künstliche Intelligenz ist längst fester Bestandteil des Werkstattalltags. Gerade der jüngeren Generation fällt der Zugang zu den neuen technischen Möglichkeiten leichter. Die Jungunternehmer betrachten KI deshalb nicht als Feind oder Gegner, sondern als Hilfe. Dabei kommt es aber immer auch maßgeblich auf den eigenen Betrieb an, weiß Dennis Bürk: „Nicht jede KI bringt automatisch einen Mehrwert. Entscheidend ist, dass die Anwendungen zum Unternehmen passen und die bestehenden Prozesse sinnvoll ergänzen.“ Werkstattbetriebe müssen abwägen, ob und wie KI und Co. gezielt für das eigene Unternehmen genutzt werden können.
Dabei lohnt sich immer auch der Blick auf den Ist-Zustand: „Ein Unternehmen lässt sich nicht von heute auf morgen komplett neu aufstellen. Erfolgreiche Veränderungen entstehen in kleinen Schritten.“ Der Schlüssel liegt darin, funktionierende Prozesse zu bewahren und an den Stellen gezielt zu ergänzen, wo Optimierungs- oder Entlastungsbedarf besteht. Insbesondere in Routineaufgaben sieht die neue Generation die beste Grundlage für die Automatisierung. „Gerade hier kann man ansetzen und überlegen, was man unterstützen kann, und wie man beispielsweise den Kundenkontakt verbessern kann“, betont Dennis Bürk. „Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten für digitale Lösungen und KI-Anwendungen für die Schadenbranche, dass man manchmal auch über den Tellerrand hinausschauen muss, was für vorgefertigte Standardlösungen es bereits außerhalb der Branche gibt, die sich im eigenen Unternehmen gut etablieren lassen.“
Teamwork als Schlüssel zum Erfolg
Bei aller Offenheit für neue Technologien sind sich beide Unternehmer in einem Punkt einig: KI darf den Menschen nicht ersetzen. „Ich bin kein Freund davon, Systeme aufzubauen, mit denen man Personal spart“, betont Paul Hartleib. „Auch wenn ich in den KI-Lösungen eine große Chance sehe, um Entlastungen zu schaffen, muss man die Mitarbeiter dahinter mitdenken.“ Für ihn ist ein funktionierender Betrieb einer, wo die Menschen nicht egal werden. Ein Ansatz, der auch bei Bürk Karosserie & Lack verfolgt wird: „Es ist unser strategisches Ziel, dass wir keinen Mitarbeiter entlassen, weil wir KI in dem Bereich einsetzen. Das ist für uns klar“, betont Dennis Bürk. Denn der Erfolg des Unternehmens steht und fällt für beide mit dem Team. „Technologien können Prozesse verbessern, aber es kommt immer auf die Menschen an, die den Erfolg des Betriebs formen“, so Paul Hartleib. Denn Erfolg ist für die Unternehmer ein Ergebnis von Teamwork – und eine klare Frage des Unternehmensziels.
Austausch auf Augenhöhe
Beim Umgang mit den Veränderungen setzen die Unternehmer auf ein starkes Netzwerk: Mithilfe von Prozessberatung, Wissenstransfer, brancheninternem Austausch und einem einheitlichen Markenauftritt bietet IDENTICA den Partnerbetrieben die passende Unterstützung. Für Paul Hartleib ist IDENTICA dabei mehr als eine Plattform: „IDENTICA ist für mich wie eine kleine Familie.“ Für ihn ist es besonders der Zusammenhalt, der ihm als Jungunternehmer den Rücken freihält: „Erfahrene Betriebe nehmen die neue Generation an die Hand – und genau darauf kommt es an. Man kann nur wachsen, wenn man mit anderen Betrieben an einem Strang zieht und sich immer wieder austauscht und vernetzt.“ Denn für Dennis Bürk und Paul Hartleib steht fest: Die Zukunft der Karosserie- und Lackierbranche entscheidet sich nicht allein durch neue Technologien. Erfolgreich werden vor allem die Betriebe sein, die Innovation mit qualifizierten Mitarbeitenden, einer offenen Unternehmenskultur und einem starken Netzwerk verbinden.

