Repanet HV 2026: Werkstattrealität statt Theorie
Die Repanet Hauptversammlung auf Mallorca hat erneut gezeigt, wie stark das Netzwerk vom persönlichen Austausch, von praxisnahen Impulsen und den gemeinsamen Zukunftsthemen lebt. Insgesamt war es die 12. Hauptversammlung des Netzwerks und bereits die fünfte auf Mallorca.
„Mit unseren Leistungen, Beratungen und Veranstaltungen verändern wir nicht die Theorie der Branche, sondern die Werkstattrealität.“
Margarita Debos
Axalta Netzwerke Managerin
Im Mittelpunkt standen Themen, die viele Karosserie- und Lackierbetriebe derzeit unmittelbar beschäftigen: Instandsetzen vor Ersetzen, die Entwicklungen im Ersatzteilemarkt sowie Mitarbeitermotivation und Arbeitgeberattraktivität. Wenn sich auf Mallorca rund 180 Werkstattunternehmerinnen und Werkstattunternehmer, Partner und Branchenexperten aus dem Netzwerk begegnen, geht es längst nicht nur um ein kollegiales Wiedersehen. „Die Repanet Hauptversammlung ist vor allem der Moment, in dem sichtbar wird, was die Betriebe im Alltag wirklich bewegt und wie aus gemeinsamen Herausforderungen neue Lösungen entstehen können“ so Margarita Debos, Axalta Netzwerke Managerin. Genau das war auch bei der diesjährigen Veranstaltung spürbar: viel Offenheit, viel Praxisnähe und ein ehrlicher Blick auf die Themen, die Karosserie- und Lackierbetriebe derzeit unter Druck setzen.
Wenn der Ersatzteilemarkt zum Engpass wird
Besonderes Gewicht bekam die Situation im Ersatzteilemarkt. Ein Highlight der Hauptversammlung war die Expertenrunde mit Peter Börner von EUROGARANT und Steven Didssun, Präsident des Bundesverband Fahrzeuglackierer (BfL). Dabei wurde deutlich, wie stark Werkstätten aktuell unter Preissteigerungen, Lieferproblemen und hohem organisatorischem Aufwand leiden. Gerade die Ersatzteilbeschaffung bindet vielerorts Zeit, Personal und Ressourcen.
Hinzu kommt, dass Betriebe in der Praxis häufig Vorgaben zur Teileverwendung umsetzen sollen, die sie gegenüber dem Kunden anschließend selbst rechtfertigen müssen. Diese Verlagerung von Verantwortung wurde von Peter Börner kritisch bewertet. Zugleich wurde deutlich, dass die tatsächliche Ersatzteilmarge durch zahlreiche Nebenkosten geschmälert wird, etwa für Handling, Lagerung, verlängerte Ersatzfahrzeugbereitstellung oder Provisionszahlungen. Daraus leitete sich der klare Appell ab, Instandsetzen stärker als wirtschaftlich tragfähige Alternative zu verstehen, sofern Werkzeugausstattung und Schulungsstand im Betrieb stimmen.
Der Grundsatz „Instandsetzen vor Ersetzen“ gehört ohnehin zu den zentralen Leitgedanken des Repanet Netzwerks. Auf Mallorca wurde noch einmal deutlich, dass „I statt E“ für viele Betriebe heute nicht nur eine technische, sondern vor allem eine wirtschaftliche und strategische Entscheidung ist. Wo fachgerechte Reparatur möglich ist, bleibt mehr Wertschöpfung im Betrieb. Außerdem wird mehr Originalsubstanz erhalten.
Impulse aus Technik und Praxis
Entsprechend groß war auch das Interesse an den beiden Workshops „Kunststoffschweißen Stoßfänger mit passenden Substraten von Ultraschallweißen PDC Halter“ der Firma Palbeck und „Neue AZT/BfL Merkblätter zu Lackschichtdicke und fachgerechter Instandsetzung“ von Yilmaz Kuddisi vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) und Torsten Schmidt vom BfL.
Ergänzt wurde das Programm durch die Aussteller Audatex, DAT, GYS, Innovation Part, PDR.Cloud, Telwin, Palbeck und SATA. Sie brachten Themen von Kalkulation, Daten und Prozesssteuerung über Instandsetzungs- und Schweißtechnik bis hin zu Werkzeugen, Kunststoffreparatur und Lackierausstattung in die Hauptversammlung ein.
Gute Leute halten, statt nur neue zu suchen
Auch das Thema Mitarbeitermotivation und Arbeitgeberattraktivität wurde auf Mallorca intensiv diskutiert. Eine der zentralen Botschaften lautete: Fachkräftemangel lässt sich nicht allein über Recruiting lösen, sondern muss im Alltag der Betriebe angegangen werden – mit guter Führung, klaren Abläufen, Entwicklungsmöglichkeiten und einem Arbeitsumfeld, das Mitarbeitende ernst nimmt. Passend dazu gab es den Workshop „Mitarbeiterbefragung als Instrument“ mit Michele Gurgoglione von openmindconsulting.
Einen besonderen Impuls setzte Aaron Kukic. Der Karosseriebauer aus Munderkingen und Mister Handwerk 2022 zeigte, wie relevant Social Media inzwischen auch für Werkstätten geworden ist. Sein Ansatz ist bewusst einfach: kurze, ungeschnittene Clips aus dem Werkstattalltag mit Fokus auf Instandsetzung. Diese authentische Art der zahlt sich aus: Mit über 370.000 Followern auf Instagram und zahlreichen Bewerbungen zeigt Kukic, dass es nicht viel Inszenierung braucht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Nachwuchs für die Branche zu begeistern. Auch die Haupttagung auf Mallorca begleitete er über seinen Instagram-Account mit Videos, die teils mehr als 100.000 Views erreichten.
Für die Mitgliedsbetriebe war Mallorca damit weit mehr als ein jährliches Treffen. Gerade in einer Zeit, in der sich Marktbedingungen, Anforderungen und Erwartungen an Werkstätten spürbar verändern, hat die Veranstaltung einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch innerhalb der Branche ist. Zugleich wurde deutlich, welchen Anspruch das Netzwerk verfolgt: „Repanet steht für konkrete Unterstützung im Betriebsalltag. Mit unseren Leistungen, Beratungen und Veranstaltungen verändern wir nicht die Theorie der Branche, sondern die Werkstattrealität“, so Margarita Debos, Axalta Netzwerke Managerin.

