Wenn Kürzen nicht reicht, zahlt man eben später
In diesem Editorial Ihrer Fachzeitschrift FML geht es um die Zahlungsmoral mancher Versicherer und den Geduldsfaden unserer Werkstätten.
Wer einen Handwerker beauftragt, bezahlt dessen Rechnung. Möglichst zeitnah. Schließlich wurden Leistung, Material und Know-how bereits erbracht. In weiten Teilen der Versicherungswirtschaft scheint jedoch ein anderes Prinzip zu gelten: Zahlen ja – aber bitte so spät wie möglich. Und wenn sich vorher noch etwas kürzen lässt, umso besser.
Der aktuelle Fall eines unverschuldeten Parkschadens zeigt exemplarisch, womit Karosserie- und Lackierbetriebe täglich konfrontiert werden. Acht Monate nach Schadeneintritt waren nicht nur Teile der Werkstatt- und Anwaltskosten offen, sondern auch die sachverständig festgestellte Wertminderung. Acht Monate. Für eine Forderung, die eigentlich längst hätte reguliert sein müssen.
Bemerkenswert war dabei weniger das Verhalten des Versicherers als die Gelassenheit des reparierenden Fachbetriebs. Dort kennt man das Spiel offenbar seit Jahren. Wer sich nicht in die Abhängigkeit von Versicherungskooperationen begibt, muss damit rechnen, dass das letzte verbliebene Druckmittel gezogen wird: die Zahlungsdauer.
